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Warum die Nintendo Switch das Konsolenspielen nachhaltig verändert

Rund eineinhalb Jahre ist die Nintendo Switch mittlerweile auf dem Markt erhältlich. Wirklich revolutionär klangen die Versprechungen des japanischen Konsolenherstellers Nintendo nicht, als die Hybridkonsole am 03. März 2017 rund um den Globus veröffentlicht wurde. Im Gegenteil: viele Fans, die auf eine echte Powerkonsole aus dem Hause Nintendo gewartet haben, wurden angesichts der Veröffentlichung erster technischer Details schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Kaum mehr Rechenleistung als ein modernes Tablet; ein Bildschirmformat, bei dem die Nintendo Switch fast als E-Reader durchgeht und eine ab Werk fast nicht vorhandene interne Speicherkapazität riefen selbst bei eingefleischten Nintendo-Jüngern Schnappatmung hervor. Dennoch: die Hybridkonsole verkaufte sich prächtig. Und nun, rund eineinhalb Jahre nach der Erstveröffentlichung, leitet Nintendos mutig designte Konsole schrittweise die Revolution des Konsolenspielens ein. Wir verraten, weshalb die Nintendo Switch das Konsolen-Gaming bereits jetzt nachhaltig verändert hat.

Andre Volkmann - Spielpunkt Online Redaktion

von André Volkmann (av)

am 30. August 2018 um 12.00 Uhr

Kein Hardwaremonster, aber topaktuell

Kaufargumente für die Nintendo Switch

Dass die Qualität einer Konsole heute hauptsächlich an ihrer Rechenleistung gemessen wird, liegt insbesondere an dem ewigen Duell zweier Konsolenhersteller: Sony und Microsoft. Immer höher, immer weiter, immer schneller muss es scheinbar sein, um Gamer zu begeistern. Doch ist das wirklich so?


Schaut man auf die Anzahl der insgesamt verkauften Konsolen, so liegt die Playstation 4 von Sony deutlich an der Spitze. Rund 82,2 Millionen Mal ging Sonys Rechenmonster über die Ladentheke. Mit knapp 39 Millionen verkauften Exemplaren liegt die Xbox One von Microsoft auf dem zweiten Platz der meisterverkauften Konsolen. Da kann der japanischen Konsolenhersteller mit insgesamt 17,8 Millionen verkauften Nintendo Switch vermeintlich nicht mithalten, zumindest, wenn man die Verkaufszeiträume außer Acht lässt. Die Nintendo Switch ging nämlich erst rund dreieinhalb Jahre später an den Start als die Playstation 4. Auf einen Monat heruntergerechnet liegt die PS4 bei knapp 1,4 Millionen Verkäufen, die Nintendo Switch dagegen bei etwas über einer Million verkaufter Konsolen pro Monat. Die starken Verkaufszahlen der jüngsten Vergangenheit liegen zum Teil auch in dem Mystizimus des Reizes des Neuen begründet, dennoch ist auch in den nächsten Monaten von guten Absatzzahlen auszugehen.


Nintendo begeistert mit der Hybridkonsole also in einem Bereich abseits der reinen Netto-Rechenleistung. Auch die Auswahl der Spieletitel allein kann den Erfolg der Nintendo Switch nicht begründen. Sicher, es gibt diverse exklusive Titel, die ausschließlich für Konsolen aus dem Hause Nintendo erscheinen, dennoch würde sich kein durchschnittlicher Spieler eine rund 300 Euro teure Konsole nur zum Durchzocken von zwei oder drei Exklusivtiteln kaufen, die nicht Pokemon sind. Es muss mehr hinter dem Überraschungserfolg der „Tablet-Konsole“ stecken, die immerhin die am schnellsten verkaufte Konsole in Japan und den USA ist. 

Die Nintendo Switch ist wahrlich kein Hardwaremonster, aber sie hat gegen über ihren Konkurrenten Vorteile, die überzeugende Kaufargumente darstellen: die Hybridkonsole ist mobil, die Steuerungstechnologie ist innovativ und gehört mit zum Besten, das die Konsolenwelt derzeit zu bieten hat – und die Nintendo Switch bietet lokale Multiplayererfahrung, die zumindest heutige „Silver Gamer“ aus ihrer Jugend nur von LAN-Partys kennen. Endlich gibt es wieder eine Möglichkeit, um gemeinsam mit Freunden an der Konsole zu zocken. Egal wann, egal wo.

 

Nintendo hat klammheimlich eine völlig neue Generation des Mehrspieler-Gamings eingeleitet. Sicher ist, dass Multiplayer-Events mit jedem neuerscheinenden Mehrspielertitel an Popularität gewinnen werden. Der nächste Meilenstein wird Pokemon – Lets Go Pikachu (respektive Pokemon – Lets Go Evoli) sein, das im kommenden November für die Nintendo Switch erscheint. 

Spiele als Zugpferde funktionieren immer

Es braucht mehrere gute Gründe, um einen Spieler zum Kauf einer Konsole zu bewegen. Die sich ständig drehende Leistungsspirale reicht für durchschnittliche Konsolenspieler als Kaufargument oftmals nicht aus, weil eine leistungsstärkere Konsole stets auch die Anschaffung neuer Peripherie beinhaltet. Zuletzt war das bei der Xbox One X deutlich spürbar: so topaktuell die Hardware von Microsofts Konsolenmonster auch sein mag, alles holt man als Spieler erst heraus, wenn man über ein technisch leistungsfähiges Fernsehgerät verfügt. 


Namhafte Spiele, vorzugsweise Exklusivtitel, sind unverzichtbar, um Konsolen in großer Stückzahl über die Verkaufstheke schieben zu können. Nintendo hat aus dem Debakel um die Wii U offenbar viel gelernt. Statt ausschließlich auf Titel mit seichtem Unterhaltungswert und hoher Familienkompatibilität zu setzen, erscheinen für die Nintendo Switch regelmäßig Spiele bekannter Franchises, die unter anderem erwachsene Spieler ansprechen. Wolfenstein: New Colossus oder Skyrim von Bethesda, Doom von ID Software, jüngst sogar Diablo 3 von Blizzard Entertainment. Die kalifornische Spieleschmiede steht wie kaum ein anderes Entwicklerstudio für eine hohe Qualität und strenge Selektionskriterien bei der Umsetzung geeigneter Spielkonzepte. Dass Blizzard in-house ein Spiel für die Nintendo Switch umsetzt, ist so etwas wie ein Ritterschlag für die Hybridkonsole. Schon dieser Umstand zeigt, wohin die Reise in den nächsten Monaten gehen könnte, denn auch populäre Spiele wie Overwatch ließen sich für die Switch adaptieren; das hat Paladins eindrucksvoll gezeigt. Der Teamshooter der Hi-Rez Studios schlägt in dieselbe Kerbe wie Blizzards Millionenshooter, kann dank Free-2-Play-Modell jedoch von jedem kostenlos gespielt werden. Technisch funktioniert das Ganze  jedenfalls einwandfrei.

Nintendo Switch lokaler Multiplayer

(Bild: Nintendo) Spielrunden wie diese zeichnen zwar ein Idealbild von den Verwendungsmöglichkeiten der Nintendo Switch, doch auch in der Realität stehe derartige Treffen auf der Tagesordnung begeisterter Spieler.

Mit der Umsetzung zugkräftiger Titel für erwachsene Spieler baut Nintendo zugleich auf eine Strategie, die bei Konsolen wie der Xbox One oder der Playstation 4 schon lange funktioniert: die Erwartungshaltung der Spieler nutzen. Ständig schweben mögliche Neuankündigungen populärer Marken im Raum. Häppchenweise dringen Details über potentielle Adaptionen von Gaming-Highlights für die Nintendo Switch an die Öffentlichkeit: so geschehen kürzlich bei Diablo 3. Auch andere große Spieleschmieden wie Bethesda denken aktiv über weitere Umsetzungen nach, loten technische Machbarkeiten aus – und heizen damit das Feuer weiter an. Was bei der Wii U eher ungewiss war, gilt für Nintendos Switch als sicher: gigantische Games werden erscheinen.      
Neben den Titeln, die Core-Gamer ansprechen, nutzt Nintendo auch für die Switch den unschätzbaren Hausvorteil, unzählige namhafte Franchises wie Super Mario, Yoshi, Legen of Zelda und erst recht Pokemon in überarbeiteten oder völlig neuen Varianten anzubieten. Vor allem Pokemon gilt als enorm starkes Zugpferd für jede Konsole von Nintendo. Neueste Zahlen belegen, dass Pokemon gar als größte mediale Marke weltweit gilt: seit 1996 konnte die Marke Pokemon Einnahmen von rund 59 Milliarden US-Dollar erzielen. Wer in seinem Portfolio über derart starke Franchises verfügt, muss sich um gute Konsolenverkäufe kaum sorgen – cleveres Marketing vorausgesetzt.

(Bild: Nintendo) Spielen kennt kein Alter. Für die Nintendo Switch sind Spieletitel für jede Altersklasse erhältlich. Der Mehrspielergedanke gilt jedoch generationenübergreifend. 

Und genau an diesem Punkt agiert Nintendo besonders clever. Im direkten Vergleich der Vermarktungsstrategien der drei großen Konsolenhersteller, lenkt Nintendo den Fokus bewusst auf die persönlichen Spielerfahrungen der zukünftigen Nutzer.
Bei der Xbox One X sowie der Playstation 4 Pro stehen weiterhin pure Leistungsressourcen im Mittelpunkt. Microsoft preist die Xbox One X als „die leistungsstärkste Konsole der Welt“ an, mit der man als Spieler „beeindruckendes True 4K-Gaming mit 40 % mehr Leistung als bei anderen Konsolen“ erleben kann. Zudem fügt das Unternehmen an, dass „auf Xbox One X Games einfach besser sind“. Warum, steht dort allerdings nicht.


Auch Sony definiert die neue Konsolengeneration als Leistungsgeneration: „Dank ultrascharfer Grafik, atemberaubend lebendiger Farben und flüssiger, stabiler Leistung erwachen deine PS4-Spiele zum Leben.


Nintendo hingegen präsentiert eine verspielte Marketingkampagne, bei der es um das Spielen „wann, wo und mit wem du willst“ geht.  Alles dreht sich um Freiheit, Flexibilität, vor allem aber um die persönliche Spielerfahrung.

Man könnte meinen, Werbeaussagen wie „die Nintendo Switch-Konsole passt sich deiner Situation an, damit du trotz der täglichen Hektik die Spiele spielen kannst, die du spielen willst.
In dieser neuen Ära musst du dein Leben nicht anpassen, um Spiele spielen zu können – stattdessen passt sich deine Konsole deinen Umständen an“ seien verwaschen oder klingen viel zu allgemein, doch im Kern wird damit ein völlig neuer Konsolen-Lifestyle erfunden, den Spieler bisher nur von Handhelds kannten. Der starke Fokus auf Multiplayer-Erfahrungen weckt die Sehnsucht nach dem Gaming-Abend mit Freunden: wann, wo und wie sie wollen.


Nintendo hat eine gigantische Nische entdeckt, sich dort geschickt platziert und kann nun die Gewinne abschöpfen, die aus diesem mutigen Vorgehen entstanden sind. Der Nintendo Switch steht eine große Zukunft bevor.

(av)

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