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Paradox Interactive bringt Brettspiele zu Crusader Kings, Europa Universalis, Cities: Skylines und Hearts of Iron

Computerspiele und Brettspiele existieren schon lange nicht mehr in jeweils eigenen Welten. Die fast schon symbiotische Beziehung der beiden Branchen sorgt seit Jahren für immer neue Überraschungsmeldungen. Dass sich die Mechanismen von Videogames als hervorragende Grundlage für Brettspiele nutzen lassen hat jüngst der skandinavische Publisher Paradox Interactive erkannt. Mit Crusader Kings, Cities: Skylines, Hearts of Iron und Europa Universalis erscheinen demnächst weitere Computerspiele als physische Spielvarianten. Fans können zumindest das strategische Brettspiel Crusader Kings - The Board Game bereits jetzt über Kickstarter unterstützen.

 

von André Volkmann (av)

Europa Universalis: Vom Brettspiel zum Videospiel zum Brettspiel

Europa Universalis Brettspiel Paradox

Die Wege eines guten Spiels sind unergründlich. Wie sehr Computerspiele und Brettspiele zusammenhängen können, zeigt die Ankündigung des schwedischen Publishers Paradox Interactive, der den Spieletitel Europa Universalis zurück auf die heimischen Brettspieltische bringen wird.

Zurück? Genau, Europa Universalis begann seinen Siegeszug einst als Brettspiel bevor Paradox entschied, die Idee des historischen Strategiespiels auf die Bildschirme zu bringen. Für Paradox Interactive war die stetige Weiterentwicklung des Globalstrategiespiels Europa Universalis so etwas wie ein Reifungsprozess. Den Weg für den Erfolg der Marke Europa Universalis ebnete seinerzeit der französische Spieleautor Philippe Thibault, der auch heute für seine meisterhaften strategischen Spielideen bekannt ist.

 

Europa Universalis war eine Offenbarung für all jene Brettspieler, die strategische Brettspielschlachten abseits der verbreiteten Weltkriegsszenarien schlagen wollten. Europa Universalis zeichnete sich bereits in der Brettspielvariante durch komplexe Spielmechanismen aus, die wie geschaffen schienen, um daraus ein Computerspiel zu designen. Wie nahezu alle Titel von Paradox Interactive war die digitale Version von Europa Universalis alles andere als ein Massenprodukt. Das Strategiespiel bediente eine Nische und sollte vorrangig Spieler ansprechen, die sich gern und ausgiebig mit verborgenen Zahlenwerken beschäftigen wollen, die sich hinter den auf den Bildschirmen dargestellten grafischen Manisfestationen verbergen. Videospiele von Paradox Interactive zu spielen ist so, als würde man eine nicht enden wollende Excel-Tabelle immer wieder aufs Neue durcharbeiten. Das war vor über zehn Jahren so – und das ist auch heute noch so, auch wenn Paradox zwischenzeitlich mit einsteigerfreundlicheren Titeln wie etwa dem Städtebauspiel Cities: Skylines Versuche unternommen hat sich auf dem Massenmarkt mit strategisch dichten Games zu etablieren. Mit Erfolg.

 

Klar, dass Paradox Interactive die erfolgreichen Marken nutzt, um aus den Grundideen Brettspiele zu entwickeln. Schrittweise werden so die Computerspiele Europa Universalis, Cities: Skylines, Hearts of Iron sowie Crusader Kings als physische Spielversionen erscheinen. Letzterer Titel ist bereits als Crowdfundingkampagne auf Kickstarter verfügbar, wo Fans bereits ihre (finanzielle) Unterstützung anbieten. Eines ist jedenfalls schon jetzt spürbar: Paradox Interactive setzt mit dem starken Fokus auf die Umsetzung mehrerer Games als Brettspiele auf eine völlig neue Art des „plattformübergreifenden Spielens“, die auch andere Publisher zukünftig gern aufgreifen dürfen.

Weitere Projekte: Cities: Skyline und Hearts of Iron

Für Fans epischer Weltkriegsschlachten interessant ist sicherlich die Brettspielumsetzung des Computerspiels Hearts of Iron, das Paradox Interactive in der Videospielfassung im Jahr 2005 auf den Markt brachte. Im Laufe der Jahre sind mehrere Erweiterungen und Fortsetzungen erschienen, jüngst Hearts of Iron IV im Juni 2016. Mit einem zeitlichen Umfang von bis zu acht Spielstunden wird das Brettspiel zu Hearts of Iron eher als Nischenspiel einzuordnen sein.
Während ein Großteil der von Paradox Interactive veröffentlichten Strategiespiele als wenig einsteigerfreundlich einzustufen sind, dürfen Gelegenheitsspieler sich mit der Städtebausimulation Cities: Skylines die Zeit vertreiben. Auch als Brettspiel wird Cities: Skylines folglich zu den Einsteigertiteln im Segment der Strategiespiele gehören. 


Weitere Details zu den Brettspielen Hearts of Iron und Cities sind bisher nicht bekannt. Es ist jedoch davon auszugehen, dass Informationen nicht lange auf sich warten lassen werden: immerhin hat der Lizenzgeber Paradox Interactive die Umsetzungen für das Jahr 2018 angekündigt. 

 

Crusader Kings als Brettspiel: Kreuzritterliche Tugenden

Crusader Kings Brettspiel Paradox

Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Crusader Kings ist als Brettspiel derart erwünscht, dass das Finanzierungsziel der Kickstarter-Kampagne bereits nach wenigen Tagen übertroffen wurde. Für die Brettspielumsetzung verantwortlich ist Fria Ligan (Free League Publishing), ein schwedischer Spieleverlag, der unter anderem bereits Mutants erfolgreich auf den Markt bringen konnte. Für die Fans von Crusader Kings sind das gute Voraussetzungen, um den Titel künftig auch als strategische Brettspielvariante spielen zu können. Crusader Kings ist ein Computerspiel aus dem Jahr 2004, das den inhaltlichen Schwerpunkt auf mittelalterliche Echtzeitschlachten legt. Das Brettspiel zu Crusader Kings will nun an die Erfolge der digitalen Vorlage anknüpfen. Betrachtet man die bisherige Resonanz der Backer, so sind zumindest gute Vorzeichen vorhanden: die Kickstarterkampagne liegt bereits nach wenigen Tagen bei über 208.000 Euro (Stand: 24.05.18) und übersteigt das festgelegte Finanzierungsziel von knapp 48.000 Euro um ein Vielfaches.


Free League Publishing versucht das bekannte Setting der Vorlage möglichst detailliert auf dem Spielbrett abzubilden. In dem strategischen Mittelalterbrettspiel kämpfen 3 bis 5 Spieler um die Vorherrschaft im Europa zur Zeit der Kreuzzüge. Wie bei derartigen Brettspielen mittlerweile üblich, sollen detaillierte Miniaturen für die atmosphärische Tiefe sorgen und die dramatischen Spielereignisse in ansprechender Form untermalen. Die Spielzeit ist dabei großzügig bemessen: zwischen zwei und drei Stunden vergehen bis zum Ende einer Partie. Free League Publishing baut die Spielidee nach eigenen Aussagen auf vier wichtigen Säulen auf:


• Charakterentwicklung
• Fortschreitende Handlungen
• Notwendigkeit vorausschauender Planung
• Historische Genauigkeit


Jede der vier Säulen war bereits als grundlegendes Spielelement in der Vorlage Crusader Kings enthalten. Auch wenn bei der Umsetzung eines Computerspiels als Brettspiel so einige komplexe Mechanismen zusammengetaucht werden müssen um zu funktionieren, sind die Züge der digitalen Vorlage deutlich erkennbar. Fans werden das zu schätzen wissen – und Brettspielstrategen freuen sich über ein neues physisches Grand-Strategy-Boardgame.

Angekündigt wurde die Brettspielvariante am 19. Mai 2018 auf der hauseigenen Convention von Paradox Interactive in Stockholm, der PDXCON. Passend dazu hat der schwedische Publisher einen kurzen Videotrailer veröffentlicht.

Das Spielprinzip von Crusader Kings – The Board Game klingt zunächst nicht besonders innovativ. Im Gegenteil: viele spielerische Details kennen erfahrene Brettspieler bereits aus anderen, ähnlichen Strategiebrettspielen. Die verschiedenen Königshäuser streben nach Macht und Einfluss, was sich spielerisch durch das Einnehmen von Provinzen bemerkbar macht, die Ritterfiguren besetzt werden. Spannender gestalten sich wahrscheinlich die unzähligen diplomatischen Kniffe, die sich auf das Geschehen auswirken. Diese sozialen Interaktionen bestehen unter anderem aus dem Schmieden von Bündnissen und Allianzen, was den Schluss nahelegt, dass Crusader Kings – The Board Game mit steigender Zahl der Mitspieler spürbar an Qualität gewinnt. Spieler müssen sich Herausforderungen stellen, die schon mittelalterlichen Königen Schwierigkeiten bereiteten: Mit wem gilt es eine Heirat einzugehen, um die Machtverhältnisse in günstige Bahnen zu lenken? Wohin sollten Truppen verschoben werden? Wie wird man als König unliebsame Erben los?


Spielhandlungen werden bei Crusader Kings – The Board Games durch Karten dargestellt, von denen jeder Spieler zur Einleitung seines Zuges zwei verdeckt auswählt. Neben der angesprochenen Heirat können Spieler unter anderem Gebäude errichten, die Geschichte vorantreiben, Steuern erheben oder auch zum Angriff übergehen. Wichtig bei Crusader Kings – The Board Game ist, die gegnerischen Züge möglichst vorherzusagen und nicht bloß auf feindliche Taktiken reagieren zu müssen. Ein weiterer Clou, der für Spannung sorgen wird, sind die sogenannten „Events“, die durch die Aktionskarten ausgelöst werden. Von der Geburt eines Kindes bis hin zur Pestepidemie sind viele denkbare mittelalterliche Geschehnisse vorhanden, was eine dichte Atmosphäre erzeugen dürfte. Für zusätzliches Feintuning sorgen zudem Charaktereigenschaften, die durch grüne (positive) und rote (negative) Tokens repräsentiert werden. Durch die Möglichkeit Eigenschaften mit Gold zu erwerben, steigt die Zahl der strategischen Handlungsmöglichkeiten weiter an. Und weil auch die Erben mit Charaktereigenschaften ausgestattet werden ist es für Spieler ratsam, die königlichen Familienverhältnisse stets im Auge zu behalten. Ein Brettspiel, das im Zeitalter der Kreuzzüge angesiedelt ist, kommt nicht umhin, die brutalen Ritterschlachten spielerisch umzusetzen. Kreuzzüge stellen bei Cruder Kings – The Board Game einen wichtigen Faktor dar, um große Mengen an Siegpunkten zu erspielen: wer es mit seinem Heer bis nach Jerusalem schafft, wird reich belohnt.


Wenn es Free League Publishing gelingt all diese strategischen Inhalte auf das Spielbrett zu bringen ohne dass störende Längen die Spielerfahrung trüben, könnte Crusader Kings – The Board Game tatsächlich zu einer ernstzunehmenden Alternative für Taktikfans werden. Vor allem, weil ausufernde Strategiebrettspiele mit mittelalterlichem Schwerpunkt sowie der Verwendung von hübschen Miniaturen vergleichsweise selten sind.


Crusader Kings – The Board Game ist nicht nur der erste Titel von Paradox Interactive bzw. Fria Ligan, der den Weg von den Bildschirmen auf die Spielbretter findet, sondern gleichzeitig wahrscheinlich ein erster Testlauf, um zu sehen wie die Resonanz der Fans überhaupt ausfällt. Crusader Kings – The Board Game erscheint voraussichtlich im November 2018 und kostet in der Anschaffung ab ca. 60 Euro.

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