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Brettspiel Rezension: BewegungsMemo von SpoSpiTo

Es gibt viele Sinnesspiele, mit denen man Kinder gezielt fördern kann. In einer spielerischen Umgebung lernen Kinder nicht nur schnell, sondern haben dabei jede Menge Spaß. Spielen ist unter entwicklungspsychologischen Gesichtspunkten ein wahrer "Allrounder", weil ein einziges Spielkonzept gleich mehrere Entwicklungsbereiche ansprechen kann. Zu den Klassikern unter den kindgerechten Förderspielen gehören sogenannte Memo-Spiele, die die Merkfähigkeit der Spielenden verbessern soll. Einen anderen Weg geht das Projekt SpoSpiTo von Thomas Gansert, das Kinder in Bewegung bringen soll, um gesundheitlichen Beeinträchtigungen bei Kindern vorzubeugen. Wir haben uns das Förderspiel BewegungsMemo angeschaut und zeigen in unserer Brettspiel-Rezension, warum Spielen so wichtig für die kindliche Entwicklung ist.

von André Volkmann (av)

Rezension zu BewegungsMemo von SpoSpiTo

Brettspiel Rezension zum Förderspiel BewegungsMemo von SpoSpiTo

Grundsätzlich ist das Kinderspiel BewegungsMemo zunächst nichts anderes als eine Variante eines klassischen Memo-Spiels. Erst im Detail werden Unterschiede sichtbar, die dieses Förderspiel so reizvoll machen. Das Konzept von BewegungsMemo richtet sich an Kinder ab einem Alter von 4 Jahren, um in Kontakt mit leichten Regelspielen zu kommen. Von einem älteren Spieler angeleitet, kann BewegungsMemo dank der einfachen Grundregeln problemlos in einer reinen Kinderrunde gespielt werden. Zudem eignet sich der Titel hervorragend als förderndes Gemeinschaftsspiel für die ganze Familie. Ausgelegt ist die Spielidee für 2 bis 8 Spieler, wobei eine ideale Spielrunde aus 3 bis 4 Spielern besteht. Grundsätzlich gilt: Je mehr Spieler an einer Partie BewegungsMemo teilnehmen, desto länger werden die Wartezeiten auf den nächsten eigenen Zug, zudem wird das Spiel durch die höhere Zahl aufgedeckter Plättchen zwischen den eigenen Zügen erheblich einfacher. Die kompakte Spielbox enthält 48 bunte Memo-Plättchen aus festem Karton sowie die Spielanleitung in deutscher Sprache.

Die Größe der Memo-Platten ist bezüglich der Erkennbarkeit der Symbole ausreichend für größere Spieltische. Selbst wenn sich 8 Spieler um das Memo-Feld versammeln, können die einzelnen Symbole gut voneinander unterschieden werden, so dass verwirrende Momente nur selten auftreten. Die auf den Memokarten abgebildeten Kinder zeigen deutlich, welche Handlungen in den alternativen Spielvarianten von den Teilnehmern gefordert werden.

Neben den Memokarten selbst werden zum Ausspielen einiger Regelvarianten die folgenden Materialien benötigt:

  • ein kleiner und ein großer Ball (etwa ein Tennisball sowie ein Fuss- oder Basketball)
  • ein Esslöffel
  • ein Stuhl
  • ein Seil oder eine feste Schnur
  • Kissen bzw. Kartonagen
  • ein Taschentuch
  • und ein aufgeblasener Luftballon

Bei der Zusammenstellung der zusätzlichen Spielutensilien wird Kreativität belohnt, weil die fördernden Spielelemente sich durch eigene Hausregeln einfach anpassen lassen. So kann die Verwendung eines Tischtennisballs statt eines Tennisballs den Schwierigkeitsgrad leicht erhöhen, während ein Basketball sich leichter durch die gegrätschten Beine rollen lässt. Ähnliches gilt etwa für die Höhe der Kartonagen oder das Gewicht der verwendeten Tücher.

 

Für Eltern, die BewegungsMemo gemeinsam mit ihren Kindern spielen, bietet sich somit jederzeit die Gelegenheit für Modifikationen. Dadurch lassen sich die einzelnen Förderbereiche sinnvoll an die Fähigkeiten der Kindern sowie ihren Förderzielen anpassen.

 

Gesundheitszustand: Gut, aber verbessrungsbedürftig

Zwar deutet die Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS) grundsätzlich auf überwiegend positive Ergebnisse hin, gesundheitliche Baustellen bei Kindern und Jugendlichen sind jedoch zumindest in einem Maß erkennbar, die gezielte Präventionsmaßnahmen zu einem wichtigen Thema machen. Obwohl über 90 Prozent der befragten Eltern den Gesundheitszustand ihrer Kinder als gut einschätzen, sind vor allem Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen oder bildungsfernen Verhältnissen gesundheitlich risikobehaftet. Im Mittel hat sich die Bewegungsfreudigkeit der Kinder im Verlauf der letzten Jahrzehnte kaum verändert. Dennoch sind 15 Prozent der Kinder zwischen 3 und 17 Jahren übergewichtig. Rund 6 Prozent leiden sogar an Adipositas. Das Förderspiel BewegungsMemo von SpoSpiTo möchte genau dort ansetzen und Kinder auf spielerische Weise zu mehr Bewegung motivieren.


Grundsätzlich haben die bunten Abbbildungen einen hohen Aufforderungscharakter, der Kinder zum Mitmachen animieren kann. Wie gut dieser motivationale Aspekt funktioniert, hängt jedoch nicht zuletzt von dem spielerischen Rahmen ab, den die Spielanleiter für die teilnehmenden Kinder schaffen. Ein simples, aber regelerweitertes Memo-Spiel wie BewegungsMemo kann ein mächtiges Werkzeug für unterhaltsame Entwicklungsförderung werden - nicht nur im privaten Alltag von Familien, sondern auch in Betreuungseinrichtungen und im Rahmen therapeutischer Settings. 

 

Kinder spielerisch fördern: Warum Spielen so wichtig ist

Lieber Brettspiele statt Computer: Warum Spielen für Kinder so wichtig ist

Während Erwachsene sich in ihrem Alltag bewusst freie Spielzeiten schaffen müssen, ist Spielen für Kinder in Grundbedürfnis, das für eine gesunde Entwicklung wesentlich ist. Für Kinder sind Spiele demnach so wichtig wie Essen oder Schlafen. Spiele machen dabei nicht nur Spaß, sondern schulen gezielt verschiedene Fertigkeiten und Fähigkeiten.

 

Grundsätzlich zu unterscheiden sind zwei wesentliche Elemente, die für Kindern in einem spielerischen Setting relevant sind. Zum einen die Teilnahme an dem Spiel selbst. Zum anderen der kreative Prozess, der mit dem Erschaffen einer spielerischen Rahmenhandlung zusammenhängt - etwa die Aufforderung zur Einhaltung bestimmter Spielregeln oder die Verteilung von Rollen. 

Spiele sind für Kinder die ideale Vorbereitung auf das Leben, weil wesentliche Fertigkeiten und Verhaltensweisen frei von Zwängen und Druck eingeübt werden - quasi als Nebenprodukt eines motivierenden Spielsettings.

 

Zu den wichtigsten Kompetenzen, die durch Spiele ausgebildet werden, gehören beispielsweise:

  • Selbstvertrauen
  • Kreativität
  • Denkvermögen
  • Strategisches Denken
  • Verantwortungsbereitschaft
  • Gemeinschaftsgefühl
  • Kommunikation
  • Empathie
  • Hilfsbereitschaft
  • Konfliktfähigkeit
  • Regelkonformes Verhalten
  • Förderung der Eltern-Kind-Beziehung

Zudem wird durch Spiele der Umgang mit Misserfolgen, Niederlagen und enttäuschten Erwartungen gefördert. Getreu dem Motto "An Niederlagen kann man wachsen", sorgen spielerische Enttäuschungen für einen bewussten Umgang mit negativen Erlebnissen in vergleichenden oder kompetitiven Situationen im Jugendlichen- oder Erwachsenenalter.

In Spielsituationen mit anderen, lernen Kinder, Verständnis füreinander zu entwickeln. In Kontakt mit altersgleichen (aber auch mit jüngeren oder älteren) Mitspielern werden bewusst Kompromisse ausgearbeitet oder Strategien entwickelt, um den eigenen Standpunkt zu vertreten. Spielen ist für Kinder also auch Meinungsbildung.

 

Für Eltern ergeben sich daraus folgende Voraussetzungen, um für Kinder eine motivierende Spielumgebung zu schaffen:

  • Spiele benötigen Zeit: Eltern sollten daher zeitliche Freiräume schaffen, in denen Kinder ausreichend Gelegenheit haben sich mit den Spielinhalten auseinanderzusetzen. 
  • Spiele benötigen Raum: Nicht nur unter Sicherheitsaspekten sollten Eltern auf eine kindgerechte Gestaltung der Räumlichkeiten achten. Spielende Kinder müssen an ihren Spielorten Unordnung und Chaos anrichten dürfen. Zusätzlich sorgen Bewegungsmöglichkeiten dafür, dass Kinder ihr Grundbedürfnis nach Spiel und Spaß ausleben können.
  • Spiele benötigen Anleitung: Vor allem bei Regelspielen benötigen Kinder oftmals Unterstützung. Eltern sollten sich mit den Regelwerken kindgerechter Förderspiele vertraut machen, um ihren Schützlingen einen seichten Einstieg in die Welt der Regelspiele zu ermöglichen.
  • Spiele sind kreativ: Spielen ist immer auch ein Ausdruck von Kreativität und Entfaltung. Der Einsatz unterschiedlicher Spielutensilien, etwa Naturmaterial, sorgt bei Kindern stetig für neue Anreize und Motivation.
  • Spiele müssen geeignet sein: Brettspiele, Förderspiele und Spielzeuge müssen an den Entwicklungsstand des Kindes angepasst werden. Dadurch kann man sicherstellen, dass Kinder weder über- noch unterfordert werden. Ein abwechslungsreiches Angebot an Spielzeugen und Gesellschaftsspielen ist wichtig, dennoch sollten Eltern Neuanschaffungen nach dem Grundsatz "Qualität vor Quantität" planen. Je spezifischer Fähigkiten gefördert werden sollen, desto umfangreicher wird letztendlich die Spielesammlung, weil viele Lernspiele für Kinder sich auf die Verbesserung einzelner bzw. weniger Fertigkeiten und Fähigkeiten konzentrieren. Gute Anhaltspunkte für die Qualität von Spielen sind zumeist Auszeichnungen wie etwa das Kinderspiel des Jahres.

Weil Menschen lebenslang lernen, legen kindliche Spielerfahrungen den Grundstein, um individuelle Lernstrategien auszubilden.

 

BewegungsMemo: Entwicklungsförderung hoch Drei

Rezension zu BewegungsMemo von SpoSpiTo

Das Memo-Spiel BewegungsMemo von SpoSpiTo fördert, als als herkömmliche Erinnerungsspiele nicht nur die Merk- und Konzentrationsfähigkeiten, sondern erweitert das Lernerlebnis um Motorikerfahrungen. Die insgesamt 48 Memokarten stellen Kindern 24 Kartenpaare zur Verfügung, die dann für 24 unterschiedliche Übungen sorgen. Mit jeder korrekten Bildpaaraufdeckung wird der aktive Spieler dazu aufgefordert, die abgebildete Bewegung auszuführen. Jede Übung wird dabei in der Spielanleitung beschrieben - oft sogar inklusive einiger Varianten. So sollen Kinder beispielsweise einen kleinen Ball auf einem Esslöffel balancieren oder einige Sekunden auf einem Bein stehen. Andere Bildkarten fordern dazu auf über Kartons zu steigen oder auf einer Schnur zu gehen. Angeboten werden Übungen, die verschiedene motorische Fertigkeiten fördern oder bestimmte Körperpartien kräftigen. Etwa die Rumpfmuskulatur beim Heben der Hüfte (Bildpaar 19).

Die 24 Bildpaare von BewegungsMemo stellen folgende Förderansätze in den Mittelpunkt:

  • Kräftigung der Muskulatur
  • Verbesserung der Hand-Auge-Koordination
  • Gleichgewichtsübungen
  • Muskellockerung
  • Ausdauerverbesserung
  • Gedächtnis- und Merkfähigkeiten
  • Konzentrationsverbesserung
  • Allgemeine Koordinationsübungen

Die Siegbedingungen entsprechen denen eines klassischen Merkspiels. Nachdem das letzte Bildpaar aufgedeckt wurde, werden die Kartenstapel nebeneinander gestellt oder wahlweise die Kärtchen gezählt. Der Spieler mit den meisten Karten gewinnt die Partie.

Bilder zu BewegungsMemo von SpoSpiTo

Infobox

Spielerzahl: 2 bis 8 Spieler 

Alter: ab 4 Jahren

Spieldauer: 15 bis 20 Minuten

Schwierigkeit: einfach

Langzeitmotivation: mittel

Aufforderungscharakter: mittel

 

Verlag: SpoSpiTo

Erscheinungsjahr: 2017

Sprache: deutsch

Kosten: ca. 15 Euro

 

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Fazit

Das Förderspiel BewegungsMemo erfindet das Rad nicht neu, setzt aber neue Akzente, um Kinder in einem spielerischen Setting in Bewegung zu bringen. Die Ausnutzung der traditionellen Merkspielregeln sorgt bei den teilnehmenden Kindern für einen schnellen Spieleinstieg. Auf komplizierte Regelerweiterungen wird ebenso verzichtet wie auf allzu komplexe Motorikübungen, wobei anzumerken ist, dass einige Bewegungsabläufe echte Herausforderungen für Kinder sein können, die unter motorischen Defiziten leiden. Dazu zählen einige Übungsvariationen, wie "mit geschlossenen Augen auf einem Bein stehend", mitunter aber auch Grundübungen wie die "Bauchlage auf dem Stuhl". Immerhin sorgen schwierige Übungen dafür, dass Kinder motiviert sind, die Abläufe und damit sich selbst zu verbessern.

 

BewegungsMemo von SpoSpiTo ist ein einfaches Konzept das aufgeht - und zwar nicht nur im Familienalltag. Das Förderspiel eignet sich hervorragend als Instrument in therapeutischen Umgebungen oder als Lernspielzeug in Beutreuungseinrichtungen. Mit Ausnahme einiger Übungen mit sportlicher Herausforderung, kann das Memo-Spiel sogar als Brettspiel für Senioren eingesetzt werden.

Die Anschaffungskosten von rund 15 Euro sind fair, auch wenn die Bildkarten die typischen Nachteile so mancher Memo-Spielkarten aufweisen: der dicke Karton bricht leicht bei versehentlichem Knicken und die Kartenränder der gepressten Pappe nutzen sich mangels Versiegelung schnell ab. Im Vordergrund von BewegungsMemo steht ganz klar die Spielidee - und die geht auf. Im hauseigenen Webshop von SpoSpiTo ist das Förderspiel ab Ende August 2017 erhältlich.

 

(AV) 

Wertung

Wertung zur Rezension: BewegungsMemo

Auszeichnung



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