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Nominierungen der Jury zum Spiel des Jahres 2017

Einmal im Jahr werden die "Oscars der Gesellschaftsspiele" vom Spiel des Jahres e.V. vergeben. Auch in den diesjährigen Sommermonaten dürfen sich drei Spieltitel über die begehrten Auszeichnungen freuen. Den Auftakt bildet traditionsgemäß die Veröffentlichung der Liste der nominierten Spiele zum Spiel des Jahres 2017, selbstverständlich samt erweiterter Empfehlungsliste. Das Händchen der Jury muss in diesem Jahr golden gewesen sein, denn die Nominierungen sind äußerst gelungen. Auch wenn einige Brettspiele auf der Nominierten- oder Empfehlungsliste fehlen - wobei das in diesem exquisiten Jahrgang auch Geschmackssache sein kann. Lest nachfolgenden unseren Kommentar zur Nominierungsliste zum (Kenner-)Spiel des Jahres 2017

von André Volkmann (av)

Spiel des Jahres 2017

nominierten Brettspiele zum Spiel des Jahres 2017

Bereits im vergangenen Jahr lag die Jury mit ihren Entscheidungen für die Nominierungsliste zum Spiel des Jahres 2016 goldrichtig, zumindest wenn man dem Großteil der Kritikermeinungen gefolgt ist. Großer Gewinner der diesjährigen Nominierungsrunde ist zweifellos der Verlag Pegasus Spiele mit insgesamt sechs Nennungen. Mit gleich zwei Nominierungen greift zudem der Schwerkraft Verlag im Rahmen des Kennerspiels nach den Sternen.

Nachfolgend die Nominierten zum Spiel des Jahres 2017 in alphabetischer Reihenfolge

 

Nominiert zum Spiel des Jahres 2017:

  • King Domino v. Bruno Cathala (Pegasus)
  • Magic Maze v. Kasper Lapp (Pegasus)
  • Wettlauf nach El Dorado v. Reiner Knizia (Ravensburger)

Empfehlungsliste der Jury:

  • Deja Vu v. Heinz Meister (Amigo)
  • DoDeLiDo v. Jaques Zeimet (Drei Magier)
  • Fabelsaft v. Friedemann Friese (2F)
  • Klask v. Mikkel Bertelsen (Game Factory)
  • Shiftago v. Frank Warneke, Robert Witter (WiWa)
  • Tempel des Schreckens v. Yusuke Sato (Schmidt)
  • Word Slam v. Inka und Markus Brand (KOSMOS)

Insgesamt ist die Auswahl sehr gelungen. Die Jury liegt damit auf einer Linie mit der Spielerschaft, die den Großteil der oben gelisteten Titel ebenfalls genannt hätte. Eine Ausnahme bildet Cottage Garden, das in der Liste leider gänzlich fehlt. Die drei nominierten Brettspiele werden sich in der Auswahlrunde zum Spiel des Jahres 2017 ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen liefern. Immerhin liegen alle Nominées qualitativ eng beieinander. Während King Domino eines der derzeit eingängigsten Spiele ist, begeistert Magic Maze durch seine innovative Spielidee. Wettlauf nach El Dorado erschließt dagegen das Spielprinzip "Deckbau" für eine neue Zielgruppe. Grade weil der Titel aus dem Hause Ravensburger das Herz der Familienspieler trifft, gilt Wettlauf nach El Dorado als unser Favorit für die Auszeichnung zum Spiel des Jahres 2017, die am 17. Juli in Berlin vergeben wird. 

 

Kinderspiel des Jahres 2017

Kinderspiel des Jahres 2017 Nominierungen

Bei der Kinderspielen fällt die Nominierungsliste durch ihre bunte Mischung auf. Schönheit, Geschicklichkeit und Abenteuer sind drei Stichworte, die man den einzelnen Kandidaten zuordnen kann. Für Kinder wird egal sein, welches der nominierten Brettspiele letztendlich gewinnt: Spaß haben die Nachwuchsspieler mit jedem Titel.

 

Nominiert zum Kinderspiel des Jahres 2017:

  • Captain Silver v. W. Dirscherl, M. Reindl (Queen Games)
  • ICE Cool v. Brian Gomez (Amigo)
  • Der mysteriöse Wald v. Carlo A. Rossi (IELLO/Huch!)

Empfehlungsliste der Jury:

  • Glupschgeister v. J.-P. Schliemann, B. Weber (KOSMOS)
  • Kikeribumm v. Thierry Denoual (Asmodee)
  • Kleiner Vogel, großer Hunger v. Tim Rogasch (HABA)
  • Kullerhexe v. Marco Teubner  (Drei Magier)
  • Sleeping Queens v. Miranda Evarts (Game Factory)
  • Verfuxt v. Marisa Peña, Shanon Lyon (Game Factory)
  • Zauberei hoch drei v. Michael Palm, Lukas Zach (Pegasus)

So manche Entscheidung der Jury darf man als mutig bezeichnen. Das gilt in diesem Jahr wohl für das actionreiche Schnippspiel ICE Cool. Dabei ist es nicht die Spielerfahrung oder das Regelwerk, das wenig kindlich daherkommt, sondern die Zielgruppe. ICE Cool ist zwar auch ein Spiel für Kinder, spricht Erwachsene und damit Familien jedoch genauso an. Es hätte daher durchaus auf die Nominierungs- oder Empfehlungsliste zum Spiel des Jahres 2017 gepasst. Weil der eiskalte Pinguin-Schnippser von Amigo Spiele sich hervorragend im Kinderspielzimmer erleben lässt, ist die Entscheidung der Jury weder falsch noch fragwürdig, aber mutig. Captain Silver haut dagegen wieder voll in das Piraten-Thema, das sich im vergangenen Spielejahr durch die Branche zog wie die Schießpulverspur vom Schiffsdeck in den Munitionsraum. Ungeachtet des massiven Piratenüberschusses ist Captain Silver die perfekte Wahl für die Nominierungsliste zum Kinderspiel des Jahres 2017.  Es sind am Ende der Spielspaß und nachvollziehbare Abläufe, die entscheiden, nicht allein das Spielthema. Unser Favorit für die Preisverleihung am 19. Juni 2017 in Hamburg ist dagegen Der mysteriöse Wald von Carlo A. Rossi. Dieses Kinderspiel reiht sich ein in die Riege der wunderschönen Brettspiele aus dem Hause Iello. Die Illustrationen sind derart hübsch, dass auch so mancher Erwachsene sein inneres Kind nach außen kehrt, nur um die Wormland-Saga zu erleben. Der mysteriöse Wald erzählt eine Geschichte und bindet Kinder in den Spielprozess ein. Das leicht erlernbare Kinderspiel konstruiert eine spannende Rahmenhandlung um ein grundsätzlich simples Memory-Konzept.

 

Kennerspiel des Jahres 2017

Nominierungen Kennerspiel des Jahres 2017: Kritik

Die diesjährige Wahl zum Kennerspiel des Jahres 2017 ist für den Schwerkraft Verlag schon jetzt ein Riesenerfolg. Mit gleich zwei Titeln ist der Spieleverlag auf der Nominierungsliste vertreten und wirkt trotzdem so chancenlos gegen das schier übermächtige Escape-Konzept Exit von Inka und Markus Brand aus dem Hause KOSMOS. Weil die Jury manchmal für Überraschungen sorgt, bleibt es dennoch spannend.

 

Nominiert zum Kennerspiel des Jahres 2017:

  • EXIT v. Markus und Inka Brand (KOSMOS)
  • Räuber der Nordsee v. Shem Phillips (Schwerkraft)
  • Terraforming Mars v. Jacob Fryxeliux (Schwerkraft)

Empfehlungsliste der Jury:

  • Captain Sonar v. R. Fraga, Y. Lemonnier (Pegasus)
  • Die Grimoire des Wahnsinns v. M. Rambourg (Asmodee)
  • Great Western Trail v. Alexander Pfister (eggertspiele/Pegasus)
  • Les Poilus v. Fabien Riffaud, Juan Rodriguez (Pegasus)

Spieleexperten und Vielspieler blicken besonders gebannt auf die Nominierungsliste für das Kennerspiel des Jahres 2017. Immerhin ist steht Liste regelmäßig für ein hohes Spielniveau gepaart mit ausufernden Materialschlachten und spielbeeinflussenden Entscheidungen. Was zunächst schmerzlich auffällt ist die Tatsache, dass das viel gelobte Brettspiel First Class von Hans im Glück in keiner der beiden Listen auftaucht. Das ist nicht nur schade, sondern entzieht dem tollen Brettspiel für Fortgeschrittene ein wenig seiner verdienten Aufmerksamkeit. So unverständlich diese Entscheidung sein mag, umso mutiger geht die Jury mit dem Thema Exit von KOSMOS um. Die herausragende Spielereihe von Inka und Markus Brand geistert seit Monaten als Neverending-Story durch die Sozialen Medien und wird, dank der Nachfolge-Trilogie*, auch weiterhin für Gesprächsstoff sorgen und Spielern Rätselaufgaben nah an der Grenze zur Verzweiflung bescheren. Ein Novum ist immerhin die Nominierung einer Spielereihe, was gleichzeitig die Frage aufwirft, ob sämtliche Nachfolgetitel aus der Exit-Spielefamilie gleichsam preisverdächtig bzw. auszeichnungswürdig sind. Spielerisch ist Exit jedenfalls über alle Maßen erhaben und eine der Marken, die den diesjährigen Jahrgang dominiert. Allein diese Dominanz macht Exit zu unserem Favoriten als Kennerspiel des Jahres 2017.

 

Als ebenso mutig könnte man die Entscheidung für Terraforming Mars bezeichnen. Der großartige Titel vom Schwerkraft Verlag hat zumindest für tumultartige Szenen auf der SPIEL'16 in Essen gesorgt, weil das Verkaufskontingent schneller zur Neige ging als so mancher Marsbesiedler sich gewünscht hat. Terraforming Mars als Anwärter auf den Preis Kennerspiel des Jahres 2017 zu benennen ist aufgrund des extrem komplexen Spielablaufs mutig, nicht weil die Auszeichnung so manchem Käufer die Entscheidung für oder gegen einen Kauf erleichtert oder gänzlich abnimmt. Der Titel, der bei Spielexperten gut ankommt, könnte auf dem Spieltisch eines durchschnittlichen Vielspielers für manch langes Gesicht sorgen. Terraforming Mars ist vielleicht eher ein Nischenspiel, dafür aber ein herausragendes.

Räuber der Nordsee von Shem Phillips ist dagegen eine solide, fast schon traditionelle, Nominierung. Das optisch und spielerisch überzeugende Wikinger-Brettspiel glänzt mit seinem Workerplacement-Konzept und macht es Spielern einfach diesen Titel zu mögen. Die Empfehlungsliste zeigt sich dagegen stimmig, aber wenn Grimoire des Wahnsinns möglicherweise ein wenig überraschend dort auftaucht.

Terraforming Mars zum Kennerspiel des Jahres 2017 nominiert
aus Terraforming Mars (Schwerkraft)

Ein toller Jahrgang 2017

Autoren und Verlage sind die Auszeichnungen willkommen, immerhin erhöhen diese den Absatz der Verkäufe erheblich. Dennoch gilt, dass sich meist jedes der nominierten Spiele auch gänzlich ohne Preisverleihung gut verkauft. Gesellschaftsspiele, die der Jury des Spiel des Jahres e.V. auffallen, gehören bei vielen Gelegenheitsspielern, Familienrunden und Expertengruppen zu festen Bestandteilen der Spielprogramme. Ohnehin war der Jahrgang 2017 herausragend und brachte unzählige qualitativ hochwertige, innovative und spielerisch wertvolle Perlen hervor.

Aufmerksamkeit sollten daher nicht nur die Nominierten für das (Kenner-, Kinder-)Spiel des Jahres 2017, sondern all den Titeln gelten, die es wert sind gespielt zu werden. Diskutiert gern auf Facebook oder Twitter mit uns über die Entscheidungen und eure liebsten Titel des Jahres 2017.                                            

                                                                (AV)



 

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