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Spielsucht: Was sie ist und wie man sie erkennt

[Sponsored Post] Dass Spiele in virtuellen Welten viel Spaß machen können, ist unbestritten. Die Tatsache, dass Millionen von Spielern weltweit unzählige Stunden vor den Bildschirmen verbringen, ist grundsätzlich kein Problem. Problematisch wird es erst, wenn einzelne Spieler von ihrem Hobby nicht oder nur schwer lassen können und das Spielen zu einem pathologischen Verhalten wird, das kaum mehr zu kontrollieren ist. Süchte sind seit der Gleichstellung des sogenannten "compulsive gambling" nicht mehr nur stoffgebunden. Für Außenstehende ist die klassische Spielsucht schwer zu erkennen, denn oftmals merkt man Betroffenen ihr problematisches Verhalten erst an, wenn Auswirkungen sich auch im Alltag manifestieren. Um Gegenmaßnahmen einleiten zu können, muss die Spielsucht allerdings zunächst erkannt und anerkannt werden.

Der nachfolgende Beitrag erklärt, was Spielsucht ist und woran man pathologisches Spielen erkennen kann. 

 

von André Volkmann (av)

Spielsucht erkennen: Störung der Impulskontrolle

Spielsucht - Was tun?

Besonders tückisch an der Spielsucht ist, dass diese schleichend entsteht und der Betroffene davon zunächst keine Notiz nimmt. Pathologisches Spielen beginnt vielmehr mit positiven Gefühlen, die ein Spieler mit seinem Hobby verbindet. Insbesondere wenn die Spielerkarriere vermehrt mit Gewinnen beginnt und sich das Spielen als tatsächlich lohnenswert herausstellt. Bis sämtliche Grenzen der Vorsicht überschritten werden, ist es bei der Spielsucht nur eine Frage der Zeit. Pathologisches Spielen, auch zwanghaftes Spielen genannt, ist unter der Kodierung F63.0 im ICD-10 klassifiziert und gilt damit unter diagnostischen Gesichtspunkten als abnorme Gewohnheit oder Störung der Impulskontrolle. Spielsüchtige können dem Impuls, Spielen zu müssen, nicht widerstehen. Sie erliegen dem Drang, Wetteinsätze zu platzieren oder an Glücksspielen teilzunehmen - stets verbunden mit dem Wunsch nach großen Gewinnen. Dabei gehen Spieler mit der regelmäßigen Ausführung ihres "Hobbys" bereits zu Beginn nicht offen um. Familienmitgliedern und Angehörigen bleiben die zwanghaften Spielepisoden oftmals versorgen.

 

Die typische Spielerkarriere ist grob vorgezeichnet und wird in drei Abschnitte unterteilt, die jedoch nicht linear, sondern auch episodisch oder anfallartig durchlaufen werden: Gewinnphase, Verlustphase und Verzweiflungsphase. Jede dieser Phasen ist gekennzeichnet durch individuelle Gedanken, Handlungen und Verhaltensweisen.

Die anfängliche Gewinnphase stellt den Einstieg in die Spielsucht dar und lässt bei dem Betroffenen ein Gefühl der Relevanz des Spielens für sein Leben entstehen. Gelegentliche Spielsessionen gewinnen durch positive emotionale Verknüpfungen mit gewinnbringenden Spielrunden an Bedeutung. Betroffene entwickeln einen unrealistischen Optimismus, der selbst einfachste Grundregeln gedanklich außer Kraft setzt. Die simple Faustformel "Die Bank gewinnt immer" hat für Spielsüchtige keine Relevanz mehr. Sie erliegen schrittweise, orientiert an ihren Erfolgen, der Vorstellung, die Bank mit ihrem spielerischen Geschick austricksen zu können. Mit dem Spielen werden Wunschgedanken verknüpft, die vermeintlich durch den Einsatz von immer größer werdenden Summen erreicht werden sollen. Am Ende manifestiert sich ein Verlust des Realitätsempfindens. 

 

An die Gewinnphase schließt sich die Verlustphase an, in der Verluste zu Beginn nicht als das verstanden werden, was sie sind. Verlorene Spielpartien und geldwerte Verluste werden bagatellisiert. Gewinne werden hingegen als Erfolge gefeiert. Die Gedanken der Betroffenen drehen sich immer öfter um das Spielen. Der Gedanke, dass Verluste durch Gewinne aufgewogen werden, hilft Betroffenen über Niederlagenserien hinweg. Verluste werden verheimlicht; erste größere Verluste werden durch Lügen verschwiegen. Auswirkungen auf soziale Beziehungen sind nun erkennbar: Familienmitglieder, Angehörige und Freude werden vernachlässigt. Spielhandlungen werden teilweise sogar während der Arbeitszeit vorgenommen. Dem Spielen zu widerstehen wird für Spielsüchtige in der Verlustphase immer schwieriger. Neue Geldmittel werden mithilfe von Krediten und Verschuldung beschafft. Mit fortschreitendem Verlauf der Phasen wird es zunehmend schwieriger aber auch dringlicher, die Spielsucht zu bekämpfen.

 

Der Eintritt in die Verzweiflungsphase verläuft von der Verlustphase eher fließend. Beschaffte Geldmittel werden verspielt, sodass Schulden nicht mehr beglichen werden können. Mangelnde Kreditwürdigkeit führt dazu, illegale Möglichkeiten der Geldbeschaffung zu nutzen. Betroffene ziehen sich in der Verzweiflungsphase immer mehr zurück, bis hin zu einem völligen gesellschaftlichen Rückzug. Die Persönlichkeitsstruktur Spielsüchtiger verändert sich zunehmend: Reizbarkeit, Rast- und Ruhelosigkeit sowie Irritationen entstehen. Das soziale Umfeld leidet spürbar unter den zwanghaften Spielhandlungen. Die Betroffenen reagieren teilweise panisch, leiden unter Gewissensbissen. In kritische Fällen schlägt sich Hoffnungslosigkeit in suizidalen Gedanken nieder.  

 

Problematic Gambling: Auswirkungen auf den Alltag

Weil pathologisches Spielen sich individuell äußert und die tatsächlichen Auswirkungen variieren, ist die Spielsucht oftmals erst erkennbar, wenn Einschränkungen und Veränderungen eine deutliche Intensität erreicht haben. Von Betroffenen wird die Sucht nach immer ausgedehnterer Spielsessionen anfänglich erfolgreich verschwiegen. Auf Nachfragen von Angehörigen und Freunden reagieren Spielsüchtige mit geschickten Lügen. Kleinere Verluste werden vertuscht, können aber durch eine intensive Recherche aufgedeckt werden, um die Spielsucht in einem möglichst frühen Stadium zu erkennen. Beziehungen scheitern oft an pathologischen Spielverhalten - nicht zuletzt, weil Betroffene ihre Partner stets um Hilfe bitten, wenn es um die Begleichung von Schulden geht. Durch die finanziellen Verluste entstehen existenzbedrohende Konsequenzen: die Tilgungsraten eines Eigenheimkredits können plötzlich nicht mehr bedient werden, Ersparnisse werden aufgebraucht, Geldbeschaffung wird stets schwieriger.


Immer mehr dient das Spielen dazu, negative Stimmungen zu vermindern. Ängste, Depressionen und negative Gefühle versuchen Betroffene durch das Spielen zu vergessen. Spielhandlungen werden zu einer Art "Festung des Alltags". Immer mehr Zeit und Geld wird für Spiele aufgewandt, um Spannungs- und Erregungszustände aufrechthalten zu können.  

 

Spielsucht ist kein Luxusproblem

Spielsucht erkennen

Spielsucht ist kein Luxusproblem, das nur wenige Menschen betrifft. Pathologisches Spielen zeigt sich in allen gesellschaftlichen Schichten und betrifft Männer häufiger als Frauen. Bereits seit den 80er Jahren steht das zwanghafte Spielen im Mittelpunkt entsprechender Forschungsreihen. Insgesamt hat sich die Forschungslandschaft bezüglich der Spielsucht nicht zuletzt seit Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrags im Jahre 2008 signifikant verbessert. Eine exakte Häufigkeit kann, auch aufgrund einer hohen Dunkelziffer, nicht ermittelt werden. Studien gehen jedoch von 100.000 bis rund 300.000 Betroffenen allein in Deutschland aus. Unterschiede zwischen pathologischen Spielern und durchschnittlichen Glücksspielern zeigen sich vor allem bei der Anzahl der Teilnahme an unterschiedlichen Spielformen sowie bei den verwendeten Spieleinsätzen. Während pathologische Spieler an fünf unterschiedlichen Spielen teilnehmen, sind es bei einem Durchschnittsglücksspieler lediglich zwei. Deutlich wird der Unterschied vor allem bei den monatlichen Einsätzen. Spielsüchtige setzen rund 120 Euro monatlich für Spielsessionen ein, durchschnittliche Glücksspieler ohne oder mit geringen Spielproblemen dagegen ca. 30 Euro. Spielsucht tritt bei Casino-Spiele, Sportwetten und Geldspielgeräten etwa in gleichem Umfang auf.

Die Entwicklung der modernen Medien stellt zusätzlich ein neues Feld für pathologisches Spiele in den Fokus: Computerspielabhängigkeit.

 

Behandlung von SPielsucht

Info: Spielsucht Behandlung

Es sind vor allem Lebenspartner, Familienangehörige und Freunde, die sich eine Rückkehr in die Normalität noch vor den Betroffenen selbst herbeisehnen. Um die Spielsucht zu bekämpfen, muss das zwanghafte Verhalten zunächst erkannt werden. Ist dieser Schritt getan, schließen sich meist multimodale psychotherapeutische Interventionen an, um die Spielsucht zu behandeln. Dabei werden unterschiedliche therapeutische Ansätze kombiniert, um den Betroffenen erfolgreich zu helfen. Neben psychotherapeutischen Hilfestellungen, ist vor allem eine Stabilisierung der finanziellen Situationen der pathologischen Spieler wesentlich. Zur Regulierung von Schulden bieten beispielsweise Schuldenberater ihre Hilfe an. Ein regelmäßiger Austausch mit anderen Spielsüchtigen hilft dabei, die alltäglichen Probleme zu bewältigen. Der Besuch einer Selbsthilfegruppe nimmt bei der Behandlung von Spielsucht eine wichtige Stellung ein. In Deutschland wurde bereits im Jahr 2009 eine Ambulanz für spielsüchtige Betroffene eingerichtet. Das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim wird damit zu einer der bundesweit wichtigsten Anlaufstellen für pathologische Spieler.


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