Zur Fusion von Asmodee und dem Heidelberger Spieleverlag

Das Jahr 2016 neigt sich dem Ende. Zeit für einen Rückblick auf ein Jahr, das bei der Netzgemeinde mit dem Hashtag #scheissjahr nicht besonders gut weggekommen ist. 2016 war ein Jahr der gemischten Gefühle, der Hochs und Tiefs – kulturell, gesellschaftlich, politisch. Und trotz aller Schreckensmeldungen gab es viel Positives zu vernehmen, vor allem für Brettspieler. In unserem Jahresrückblick 2016 fassen wir die vergangenen zwölf Monate noch einmal in aller Kürze zusammen.

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern einen guten Rutsch in das neue Jahr.

Löwenhunger: Vorzeichen verdichten sich

Fusion zwischen Asmodee und Heidelberger Spieleverlag

Asmodee ist hungrig. Schon lange bevor die Freizeitstrategen auf ihrer Webseite das Foto eines Briefes zur Fusion der beiden Verlage gezeigt haben, gab es in der Vergangenheit deutliche Vorzeichen für eine Verschmelzung. Nicht die Frage danach, ob Asmodee und der Heidelberger Spieleverlag gemeinsame Wege unter einem gemeinsamen Namen gehen, war interessant, sondern vielmehr wann dies geschehen würde. Aus PR-Gründen ist zumindest der Beginn eines neuen Jahres klug gewählt, was den Inhalt des Informationsschreibens unterstützt.
Bereits im letzten Jahr fusionierten Fantasy Flight Games und Asmodee America, sodass das Bestreben seitens Asmodee, Brettspiele von Fantasy Flight Games in Deutschland zu vertreiben, sich als eine Schlussfolgerung aus dieser Fusion zu Asmodee America North andeutete.

 

Dass auch der Heidelberger Spieleverlag früher oder später involviert werden würde, wird deutlich, wenn man bedenkt, dass unter anderem die Heidelbären aus Walldürn seit Jahren Titel aus dem Hause Fantasy Flight Games hierzulande in lokalisierten Versionen unter das Volk bringen. Dazu gehören so populäre wie erfolgreiche Serien aus dem Star Wars Universum, etwa Imperial Assault, X-Wing, Armada, Star Wars Pen & Paper, als auch Spieletitel zum Thema Game of Thrones oder Arkham Horror.


Einen Grundstein für die mögliche Fusion hatte im August 2015 bereits die logistische Partnerschaft zwischen der deutschen Niederlassung des französischen Verlags Asmodee und dem Heidelberger Spieleverlag gelegt.


Zudem geht aus einem Investoren-Papier hervor, dass zumindest Asmodee ambitionierte Zukunftspläne hegt und sich in der Riege der Global Player einreihen will. Schon jetzt ist Asmodee als „Spieleexperte“ in den wichtigsten Industriestaaten vertreten. Durch geschickte Einkäufe hat sich der Verlag viele der derzeit populärsten Spielemarken gesichert, darunter starke Titel wie Ticket to Ride, Dixit oder 7 Wonders. Dass der Verlag es mit dem „Global Playing“ wirklich ernst meint, deutete sich im Juli 2016 bereits durch die Aufnahme von Gesprächen zur Übernahme von F2Z Entertainment Inc an, zu deren Portfolio Verlage wie Z-Man Games und Plaid Hat Games zählen.

Auswirkungen auf die Verlagslandschaft

Aus dem starken, aber vergleichsweise unscheinbar wirkenden, Heidelberger Spieleverlag wird mit der Fusion ein Teil eines global agierenden Konzerns. Direkte Auswirkungen werden Endkunden sicherlich bei der Preisgestaltung zu spüren bekommen, wobei zumindest einige strategische Brett- und Kartenspiele aus dem Hause des Heidelberger Spieleverlags ohnehin zu den eher hochpreisigen Titeln gehören. Gefühlt liegt der Fokus der Verlage nach der Übernahme nun noch mehr auf Wirtschaftlichkeit als auf der Förderung des Kulturguts „Gesellschaftsspiele“. Zumindest unter diesem Gesichtspunkt sind Fusionen immer als Fluch und Segen zu betrachten. Blickt man hinüber in das Segment der Literatur, so wird deutlich, dass Großkonzerne nicht immer nur positive Einflüsse auf das kreative Schaffen, insbesondere von unabhängigen Autoren, ausüben. Dennoch ergeben sich für Kunden bezüglich der Lokalisierung, Veröffentlichungszeiträume und Verfügbarkeit deutliche Vorteile aus der Finanzkraft eines wachsenden Unternehmens.


Auch die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit wird aus der Fusion (hoffentlich) profitieren. Ob und welche Auswirkungen Kunden zu spüren bekommen, wird sich erst mit der Zeit zeigen.


Kleine Verlage werden es in Zukunft wahrscheinlich schwerer haben, wenn der Trend zu einem Selbstverlegen weiter anhält – und zumindest das ist alles andere als glücklich für die Verlagslandschaft.


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Kommentare: 1
  • #1

    Chris (Sonntag, 22 Januar 2017 23:30)

    Super Artikel! Ich hab mir bereits viele Gedanken um die Übernahme gemacht und nun hab ich einiges mehr an Hintergrundinformationen bekommen. Monopolisierungen ist ja etwas, das in vielen anderen Marktsegmenten bereits angekommen ist. Z.B. Nestlé im Lebensmittelmarkt, Amazon beim Büchermarkt... und im Endeffekt muss ich sagen, dass ich (obwohl eher links eingestellt) damit kein Problem habe....